Sexueller Missbrauch im Umfeld von "Vereinssport" und "Leistungssport"

Wie kommt es zu sexuellem Missbrauch im Sport?

In Sportvereinen und im Leistungssport gibt es zwei Umstände, die das Zustandekommen von sexuellem Missbrauch leichter möglich machen:

Die Bedeutung des Abhängigkeitsverhältnisses beim sexuellen Missbrauch

Erstens besteht immer ein Abhängigkeitsverhältnis der Betroffenen dem/ der Trainer*in gegenüber. So sind Betroffene grundsätzlich abhängig von der Unterstützung ihres/ihrer Trainer*in. 

Zusätzlich bestimmen diese auch oft über die weitere Laufbahn der Betroffenen im Leistungssport. Oder es besteht Abhängigkeit bezüglich wer in einem Mannschaftssport Spielzeit bekommt. 

All diese Abhängigkeitsverhältnisse führen dazu, dass Betroffene eher Sexuellen Missbrauch erdulden, aus Angst vor Konsequenzen.

Es stellt sich also oft die Frage: Was ist beim trainieren noch normal, was ist Missbrauch?

Zweitens kann es dadurch, dass Sport körperlich ist, leicht zum Verschwimmen von Grenzen kommen und dadurch zu Grenzüberschreitungen. So können Berührungen im Zuge von Übungen anfangs noch okay sein. Diese sich dann aber nach und nach wandeln zu Körperkontakt, den die Betroffenen nicht wollen. Oft ist es auch für Betroffene schwierig einzuschätzen, was situationsadäquat ist und was eine Grenzüberschreitung. Manchmal findet sexueller Missbrauch auch unter bestimmten Vorwänden statt. Der Satz, „Ich muss mal kurz fühlen, wie sich Deine Muskeln entwickelt haben“, ist hierfür ein Beispiel. 

Dem eigenen Gefühl vertrauen lernen

Hierbei ist es gut, sehr genau auf das eigene Gefühl in der jeweiligen Situation zu achten und diesem zu vertrauen. Diese Unsicherheit mit körperlichen Grenzen führt dazu, dass sexueller Missbrauch im Sport oft lange nicht entdeckt wird.

Sexueller Missbrauch im Sport – was kann getan werden und was bringt Psychotherapie?

Um solche Situationen zu verhindern gilt es einerseits, auf Prävention in den sportlichen Institutionen zu setzen. Dafür ist es wichtig Trainer*innen für das Thema sexueller Missbrauch zu sensibilisieren. Dazu können entsprechende Fortbildungen hilfreich sein, wo Trainer*innen darauf geschult werden, Grenzen zu verstehen und diese zu achten.

Die Bedeutung anonymer Anlaufstellen und weiterer Sichtweisen

Für Betroffene wiederum sind anonyme Anlaufstellen wichtig, wo sie sich hinwenden können, wenn sie das Gefühl haben, sexuell missbraucht worden zu sein. Auch ist die Betrachtung des Sports an sich wichtig. Eine Einstellung a la, „über die eigenen Grenzen gehen, um erfolgreich zu sein“, ist kontraproduktiv. Dies, da es genau das Gefühl festigt, dass das Überschreiten von Grenzen in Ordnung und sogar wichtig sei.

In Ihrer Psychotherapie können wir uns sowohl mit einer akuten als auch einer vergangenen Situation beschäftigen. Sind aktuell von sexuellem Missbrauch im Sport betroffen, so arbeiten wir gemeinsam daran, diese Situation zu beenden. Hierbei geht es darum, an welche Stellen Sie sich wenden können und welche Personen in Ihrem Umfeld Sie unterstützen können. Auch besprechen wir, ob und wie es für Sie mit Ihrer Leidenschaft dem Sport weitergehen kann. In weiterer Folge sollen Sie hier natürlich auch den Raum haben, über das erlebte zu sprechen, ganz frei und in Ihrer Geschwindigkeit.

Sie haben noch nie eine Psychotherapie gemacht?

Beim Verlauf der Psychotherapie gibt es vier primäre Abschnitte:

  • Das Erstgespräch (1 Stunde): Dieses dient dem gegenseitigen Ersteindruck. Sie bekommen ein Gefühl davon, wie ich als Psychotherapeut bin und ich erfahre, weshalb Sie in Psychotherapie gehen möchten.
  • Die Anamnese (ungefähr 2 bis 5 Stunden): Hier besprechen wir Ihre bisherige Lebensgeschichte sowie ihre Beziehungen und Familienkonstellation. Dies damit ich einen ersten Überblick über Ihr bisheriges Leben und Ihre aktuelle Situation habe.
  • Die Psychotherapie (ungefähr 50 bis mehrere hundert Stunden): Die Psychotherapie ist Ihr Raum für alles, was Ihnen durch den Kopf geht bzw. Sie beschäftigt. Von frühesten Kindheitserinnerungen, über Ihre Jugendzeit bis hin zu Erlebnissen der letzten Wochen und Gedanken, die hier und jetzt in der Therapie aufkommen. Alles darf hier Thema. Die ersten fünf bis zehn Stunden können Sie dabei als „Kennenlernphase“ betrachten.
  • Der Abschluss der Psychotherapie (ungefähr 1 bis 10 Stunden): Wenn die Psychotherapie für Sie alles erbracht hat, was Sie damit erreichen wollten, suchen wir gemeinsam nach einem guten Abschluss. Dabei betrachten wir, was es für Entwicklungen und Veränderungen im Verlauf Ihrer Psychotherapie gab. Dadurch wird Ihnen der zurückgelegte Weg bewusster.
    Oft wird die Therapie auch „ausgeschlichen“. Das bedeutet, dass die Zeitspanne zwischen den Stunden vergrößert wird, z.B. 14-tägig statt einmal pro Woche. So können Sie sich leichter an die Zeit nach der Psychotherapie herantasten.